Besuch des Melatenfriedhofes.

Melatenfreidho am 9.11.2013

Unter dem Motto „Hier lieg ich, also war ich “ spazierten 25 aktive Mitglieder der CDU-Senioren Union Hürth mit sachkundiger Führung der Kölner Stadtführerin Dagmar Deiters durch die herbstlich gefärbten Wege des Kölner Zentralfriedhofes Melaten. Melaten2013003Dabei verstand es Frau Deiters, Geschichte und Entwicklung dieser Begräbnisstätte mit Anekdoten und Erzählungen aus dem Leben der Verstorbenen und ihre gesellschaftliche Bedeutung lebendig werden zu lassen.

Der Kölner Friedhof mitten im Herzen der Stadt ist ein idealer Ruhepol im hektischen Getriebe der Großstadt. Diese grüne Lunge ladet zu Entspannung und Besinnung über die eigene Vergänglichkeit ein.

Der zweistündige Friedhofsbesuch war für viele auch ein Stück gelebter Geschichte. Viele Namen auf den Grabsteinen sind immer wieder mit eigenen Erinnerungen verbunden: Schauspieler, Erfinder, große Familiennamen, deren Lebensweg manchem noch in guter Erinnerung geblieben ist.

Melaten2013006Melaten2013012Einst Richtstätte und Krankenstation für Aussätzige außerhalb der mittelalterlichen Stadtmauer wurde dieses Gelände unter Napoleon zum neuen Zentral-Friedhof umgestaltet, da alle innerstädtischen Friedhöfe aus hygienischen Gründen geschlossen werden mussten. Der Namen „Melaten“ stammt übrigens noch aus dieser französischen Zeit: „MALADE“ für krank. In den folgenden Jahrzehnten hat Melaten sich dann über mehrere Ausbaustufen zu seiner heutigen Größe entwickelt. Mit seiner Größe von ca. 60 Fußballfeldern soll er einer der größten Begräbnisstätten Deutschlands sein. Die Figur des Schellenknechts am Eingangstor erinnert heute noch an das Elend der Aussätzigen. Dieser bettelte für den Unterhalt der Leprakranken, die als Ausgestoßene keine Berührung mit den Bürgern in der Stadt haben durften. Da es zu damaliger Zeit keine staatliche Fürsorge für diese Kranken gab, wurde Betteln als normale mögliche Einkommensquelle toleriert, so wie heute noch in vielen Entwicklungsländern.

Melaten2013017Melaten2013014Ein Gang über den Friedhof ist für den Besucher, der mit offenen Augen durch die zahlreichen Wege führt, immer auch ein Gang durch die Kölner Stadtgeschichte. Ob Karnevalist, Schauspieler, Unternehmer, Filmgrößen, Erfinder:  viele berühmte Persönlichkeiten aus Köln haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden.

Am Grab von Jupp Schmitz, berühmter Texter und Arrangeur vieler Karnevalshits, brachten wir ein musikalisches Ständchen dar: „Es geht alles vorüber, es geht alles vorbei…..“ . Es wird ihn sicherlich auf Wolke 7 gefreut haben.

Auf einem der breiten Baumalleen –genannt die Millionärsallee- finden sich dann die Prunkgräber der großen Kölner Bürgerfamilien und Unternehmer. In aufwendigen Grabdenkmälern und Gruften wurde hier über mehrere Generationen das Ansehen dieser Kölner Familien-Institutionen bewahrt: Namen wie Rautenstrauch, Wallraf und Joest, Haubrich, Pfeifer und Langen, Farina, Dumont, Disch, Deichmann, Oppenheim, Nicolaus August Otto, Mevissen und viele andere repräsentieren mit ihrer Familientradition ein stolzes Stück Kölner Geschichte. Sie finden auch heute noch in vielen Straßen- und Gebäudenamen ihre Würdigung.

Viele Ruhestätten auch über Köln hinaus bekannter Künstler wie Willi Birgel, Rene Deltgen, Dirk Bach und vor allem Willi Millowitsch sind heute  immer noch Besuchsziele treuer Verehrer. Dabei erweckt das Grab von Dirk Bach mit seiner rosa-farbigen künstlichen Gestaltung GedankeMelaten2013016nspiele über das Leben dieses extravakanten Schauspielers der Neuzeit.

In der Grabstätte der Kölner Jesuiten haben viele Mitglieder des Kölner Domkapitels ihre letzte Ruhestätte gefunden. Einer der bekannteste von Ihnen dürfte der isländische Schriftsteller Jön Sveinsson sein, der mit seinen Melaten2013009Kinderbüchern „Nonni“, in denen er über seine spannende Kindheit in Island erzählt, in vielen Ländern begeisterte Leser gefunden hat. Die Ruhebank an der Grabstätte ladet dann den Besucher zum Schmökern eines seiner Bücher ein.

Obwohl das Sprichwort sagt: „Im Tod sind alle gleich“ galt und gilt dies nicht für die Friedhofskultur. Wie im wirklichen Leben gibt und gab es auch in der Grabkultur eine gesellschaftliche Trennung: Reiche Familien leisteten sich repräsentative Grabmonumente und Gruften in repräsentativer Lage, die über Jahrzehnte von der Familie benutzt und gepflegt werden. Der einfache Bürger konnte sich nur eine schlichte Grabstelle leisten, die meist nach Ablauf der Ruhepflicht eingeebnet wird. Zudem galt für viele Jahrzehnte eine Trennung nach Religionszugehörigkeit – katholisch, evangelisch, jüdisch- . Heute jedoch finden auch Verstorbener arabischer Länder hier ihre Ruhestätte. Durch den gesellschaftlichen Wandel der Nachkriegszeit -Mobilität nachkommender Generationen, Friedwald- und Urnenbestattungen, seinen Reichtum stellt man nicht mehr zur Schau – verfallen diese PrunkgrMelaten2013001äber immer mehr.

Selbst einfache Bürger können daher heute eine Grabstätte in zentraler Lage erwerben – allerdings verbunden mit erheblichen Auflagen. Immer wieder sucht die Stadt Köln handwerklich versierte oder finanzkräftige Bürger, die eine Patenschaft für eine der verwitternden Grabanlagen übernehmen. Der Pate ist verpflichtet, die Grabanlage Melaten2013013fachgerecht zu renovieren und zu pflegen -sicherlich keine einfache Aufgabe- und erwirbt damit das Recht, sich und seine Familienmitglieder darin zu beerdigen.

Nach diesem Spaziergang durch den bunt gefärbten Blätterwald von Melaten nahmen wir dann gerne die Gelegenheit war, uns bei einem gemeinsamen Essen von der herbstlichen Kälte zu erholen.

Paul Breuer