Besichtigung des Duftmuseums 4711 in der Glockengasse am 19. Oktober 2018.

4711 Hausbesichtigung

Frohen Mutes trafen sich 24 Mitglieder der Senioren Union an der Haltestelle Kiebitzweg, um einer Einladung zur Besichtigung des 4711-Hauses um 15 Uhr zu folgen.

Eingang

Herr Franz Jungeblodt begrüßte die Gruppe und bat uns erst mal vor die Tür auf die Glockengasse. Er erklärte die Geschichte von „Heinz Eau“, für den eine kleine Bronze-Skulptur an einem Pfeiler befestigt ist. „Heinz“, einer von mehreren, die inzwischen ausgewählte Geschäfte in der Kölner Innenstadt verschönern, sei einer der berühmten Heinzelmännchen. Dieser „Heinz Eau“ vor 4711 badet in einer Wanne, die natürlich mit dem weltberühmten Eau de Cologne gefüllt ist.

Da es Punkt 15 Uhr war, ertönte über uns das Glockenspiel mit der Marseillaise – der französischen Nationalhymne. Grund: 1796, während der Franzosenzeit, war das Haus von Wilhelm Mühlens in der Klöckergasse (später Glockengasse) mit der No. 4711 versehen worden. Auch auf einem großen Gobelin im Verkaufsraum ist dieser Akt eindrucksvoll nachempfunden. Davor sprudelt ein 4711-Brunnen, Finger benetzen – duftende Erfrischung garantiert!

Nach der Marseillaise folgte die „kölsche Hymne“, das Lied vom „Treuen Husar“. Die Melodien können je nach Jahreszeit oder anderen Anlässen ausgetauscht werden.

Im Verkaufsraum im Erdgeschoss erzählte Herr Jungeblodt die Entstehungsgeschichte

Wandteppich

von 4711: Am 8. Oktober 1792 erhielt der junge Kaufmann Wilhelm Mühlens zur Hochzeit von einem Kartäusermönch die Geheimrezeptur eines „aqua mirabilis“, eines Wunderwassers für äußere und innere Anwendung. Sofort begann Mühlens mit der Produktion. Da es in Köln bereits mehrere Firmen Farina mit anderen Duftwassern gab, die alle Lokalbezeichnungen hatten, wie z. B. „Farina – gegenüber dem Jülichplatz“, hatte Wilhelm Mühlens die großartige Marketingidee (obwohl er dieses Wort sicher nicht kannte!), seinem Aqua Mirabilis später die Hausnummer 4711 als Markenzeichen zu geben. Diese war einmalig.

Das Erdgeschoss ziert und beleuchtet ein rundes Deckenlampengestell, an dem geschätzt 200 typisch sechseckige größere 4711-Flaschen hängen.  Auch sahen wir einen Kölnisch-Wasser-Automaten aus den frühen 1950er Jahren, der für 10 Pfg. aus einer Düse 4711 spritzte. Herr Jungeblodt machte eindrucksvoll vor, wie und wo man sich überall erfrischen konnte…

Sorten

Wir erfuhren, dass das bekannte Kölnisch Wasser oder Eau de Cologne aus 80 verschiedenen Zutaten besteht. Der Hauptbestandteil ist zu 95% Alkohol, die anderen bestehen aus ätherischen Ölen, z.B. aus Rosmarin, Orange, Zitrone, Lavendel. Acht verschiedene Düfte versuchten wir zu erraten.

Zu Beginn der Produktionszeit im 19. Jh. wurde das Duftwasser in längeren und schlanken „Rosoli-Flaschen“ verkauft. Erst um 1820 wurde die seitdem bekannte sechseckige Form von Peter Heinrich Molanus erfunden. Diese waren mit einem Korken und Wachssiegel verschlossen. Ein kleiner Korkenzieher wurde beim Kauf gleich mitgeliefert.

Im Obergeschoss des 1964 neu erbauten Hauses, im eigentlichen Museum, waren die kostbaren Flakons vergangener Zeiten ausgestellt, die z. T. zu besonderen Anlässen entwickelt worden waren. Z. B. die neue Duft-Kreation „Nouveau  Cologne“ am 4.7.11. Seit 2014 gibt es auch wieder ein „4711 Wunderwasser“, allerdings nur für die äußere Anwendung. „Tosca“ gibt es übrigens schon seit 1921 und sei neben „Chanel No. 5“ das meistverkaufte Parfüm der Welt.

Sonderabfüllung

Die Hausfarben blau und Gold signalisieren Wasser und größte Kostbarkeit. Die Firma wurde mehrmals verkauft und gehört seit einigen Jahren zu der Firma Mäurer & Wirtz in Stolberg.

Nach dieser interessanten und dank Herrn Jungeblodt amüsanten Führung verbrachten wir noch ein gutes Stündchen im Café „Printen-Schmitz“ auf der Breite Straße, ehe wir gut gelaunt die Heimfahrt antraten.

 Text Friedrich Knäpper Bilder: Kurt Schürmann